Bruttoinlandsprodukt vs. Bruttonationaleinkommen – Wo ist der Unterschied?

Um Aussagen über den aktuellen und zukünftigen Zustand einer Volkswirtschaft zu erhalten, werden unterschiedliche statistische Größen berechnet und herangezogen. Zwei Kenngrößen sind das Bruttonationaleinkommen (BNE) sowie das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Bruttonationaleinkommen löste 1999 das Bruttosozialprodukt ab und wurde parallel zum Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen eingeführt. Die Umbenennung war damit eine Angleichung an die international gängige Bezeichnung.

Was wird unter dem Bruttonationaleinkommen verstanden?

Mit dem Bruttonationaleinkommen wird die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes berechnet. Sie umfasst alle wirtschaftlichen Leistungen von Inländern in einem definierten Zeitraum. Als wirtschaftliche Leistungen wird hier die Produktion von Sachgütern sowie von Dienstleistungen verstanden. Der Zeitraum der Betrachtung umfasst in der Regel ein Jahr. Damit ergibt sich die Summe des Bruttonationaleinkommens aus allen Inlands- und Auslandseinkommen der Inländer. Das hier angewendete Prinzip wird auch als Inländerkonzept verstanden. Dabei ist zu beachten, dass es sich hier um die Wohnbevölkerung eines Landes handelt und nicht um die Staatsbürgerschaft. So werden zum Beispiel Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die jedoch in Deutschland leben, dem deutschen Bruttonationaleinkommen zugerechnet, wohingegen deutsche Staatsbürger, die nicht in Deutschland leben auch nicht in das Bruttonationaleinkommen des Landes, in dem sie arbeiten, eingerechnet werden.

Was wird unter dem Bruttoinlandsprodukt verstanden?

Das Bruttoinlandsprodukt bezeichnet die Gesamtheit aller in einer Volkswirtschaft in einem Zeitabschnitt produzierten Güter und Dienstleistungen. Das hier angewendete Konzept wird auch als Inlandsprinzip verstanden. Damit unterscheidet sich das Bruttonationaleinkommen vom Bruttoinlandsprodukt durch das Inlands- bzw. Inländerprinzip. Bei der Berechnung des BIP wird nicht berücksichtigt, ob die Werte durch Inländer oder Ausländer erwirtschaftet werden, solange dies innerhalb der Grenzen eines Landes, also der betrachteten Volkswirtschaft, erfolgt ist. Das BNP hingegen unterscheidet, ob die Werte durch die in dem beobachteten Land lebende Inländer, oder durch nur in dem betrachteten Land arbeitende Ausländer erwirtschaftet werden.

Ein Beispiel zum Verständnis

Als Beispiel können Niederländer, die in Deutschland arbeiten, betrachtet werden. Sie leben in den Niederlanden, fahren aber zur Arbeit nach Deutschland. Nach dem Bruttoinlandsprodukt werden die von ihnen erwirtschafteten Werte mit eingerechnet. Bei der Berechnung des Bruttonationaleinkommens werden diese Werte hingegen von den in Deutschland arbeitenden Niederländern nicht mit eingerechnet.

Ausgleichseffekte

Bei großen Volkswirtschaften wie Deutschland unterscheiden sich die berechneten Werte dieser beiden Methoden nur geringfügig, da es ausreichend Ausgleichseffekte gibt. Für kleinere Volkswirtschaften hingegen sind die Ergebnisse dieser beiden Berechnungsmethoden jedoch erheblich. In der Politik wird die reale Veränderung des Bruttonationaleinkommens, besonders aber des Bruttoinlandsproduktes als Leistung der Volkswirtschaft und als Messgröße für Wirtschaftswachstum gesehen und damit als Erfolgskriterium benutzt.

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